Die Geschichte des Uhrenträgers

Cover: Die Geschichte des Uhrenträgers

Michael Perkampus: Die Geschichte des Uhrenträgers – Erzählung
ISBN 978-3-9523236-3-2, 140 Seiten, Gallimard-Paperback











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Franz-Anton Ketterer, Sohn des genialen Erfinders der Kuckucksuhr, für den Beruf des Uhrmachers zu ungeschickt, soll als erster Uhrenträger der Geschichte das neue Wunderwerk nach Straßburg bringen. Daß so einiges in und um Schönwald im Schwarzwald, dem Ausgangspunkt der Reise, nicht mit rechten Dingen zugeht, wird sehr schnell deutlich. So findet sich zum Beispiel der berühmte babylonische Kaiser Nebukadnezar plötzlich in der Rolle des Dorflehrers wieder, und die etwas ungeschickte Magd Elisabeth erfährt, wie es zugehen kann, wenn man aus heiterem Himmel zum Ideal einer romantischen Liebe erkoren wird. Skurrile Persönlichkeiten, wohin man auch schaut.

Daß die Welt und die Zeit nicht das zu sein scheinen, was man gemeinhin darunter versteht, wird Franz-Anton zum ersten Mal klar, als er, bereits auf dem Weg, einem Zwerg begegnet, der behauptet, die Zeit selbst zu verkörpern. Ebenjener Herr Uhre führt Franz-Anton in das Gehäuse einer Kuckucksuhr. Und was dann geschieht, ist nicht mehr von dieser Welt.

Romantische Liebe, die Entstehung der Kuckucksuhr und äußerst merkwürdige, poetisch höchst verdichtete Geschehnisse sind ein flüchtiger Teil dieser Erzählung, die wie ein Nebel aufzieht und in die Unendlichkeit flieht.

Leseprobe

Ich erkannte vor den Türen die Schatten, ich erkannte hinter den Türen den Staub. Ich blickte durch Fenster der Blindheit und sah sie liegen und atmen, beschienen von einem letzten Glühen der Kohlen, eingewärmt in Bett und Haus. Die Schatten grüßte ich und sprach sie an.

So kamen sie in der Nacht, es war die Mitte durch, ein Glasbett der Himmel; stechend die sternlichternden Augen, ganz finsterlos wurmten sie sich durch die schwarze Wand. Mein Gemüt verband sich mit Nuit, und ich erkannte sie; langsam sie kamen, ich erkannte sie. Die Sehnsucht sucht nachtende Seelen, die Seelen ihren Leib in der Nacht, unterm Mond die Rose, die mit ihrem Rot Löcher in die Dunkelheit sticht, von unten herauf, oben die Sterne.

So standen wir im Licht, diese da und ich, standen und beobachteten uns, wie wir da standen und uns ansahen, ansahen und ansahen. Du bist nicht gegangen. Da kam eine Stimme aus der Menschenhydra, bist nicht gegangen, sagend. Bist nicht gegangen, und nun sind wir gekommen, um nachzusehn, ob du gegangen bist. Bist nicht gegangen, und wir fanden dich. Bist nicht gegangen, und wir töten dich nun.

Ich sagte: Mein Herz kann mehr nicht brennen, alles andere ist nur die Dienerschaft des Herzens. Mein Herz kann mehr nicht brennen, denn es ist bereits entfacht, alles andere ist nur das Gebäude meiner Lust. Verbrennt ihr das Gebäude meiner Lust, wird mein Herz zu bauen beginnen. Das Herz könnt ihr nicht verbrennen, und es wird immer wieder zu bauen beginnen.

© Michael Perkampus (2008)
© Edition Neue Moderne (2008)

Hörprobe

Michael Perkampus liest aus der “Geschichte des Uhrenträgers” (Beginn)

Michael Perkampus liest aus der “Geschichte des Uhrenträgers” (Schluss)