Autorenverlag der Neuen Moderne

Als Gaston Gallimard 1911 aus der drei Jahre zuvor geschaffenen Zeitschrift Nouvelle Revue Française seinen legendären Buchverlag formte, war er umgeben von Beratern wie André Gide. Es war eine kleine Gruppe von Freunden, die sich für Bücher und für Literatur interessierten, und weil sie fanden, dass andere Zeitschriften nicht freundlich genug über das sprachen, was sie liebten, gründeten sie 1908 eine eigene.

Nach zwei Jahren genügte ihnen die Zeitschrift nicht mehr, und 1911 kam es zur Gründung eines kleinen Verlags. Heute kann man die Edition Gallimard durchaus als den Louvre der Bücher bezeichnen. In Anlehnung an die Zeiten der beginnenden und sich rasant entwickelnden Moderne, die Bohémiens, das Paris der 20iger Jahre, aber auch mit Blick auf die gegenwärtigen Entwicklungen, die sich in Massenproduktion und Beschneidung äußert, ist es ein Anliegen weniger Literaturliebhaber, da man diesen eingeschlagenen Weg nicht rückgängig machen kann, ihn zumindest nicht mit zu gehen.

Die Hinwendung zu einer »neuen Literatur« hat stets einen internationalen Charakter, das ist heute nicht anders als in der Vergangenheit. Die großen Literaturmetropolen wie Paris oder Buenos Aires fehlen der Welt schmerzlich. Jedoch ist es nicht ratsam, an den Errungenschaften der Moderne einfach nur festhalten zu wollen. Um in ihr bestehen zu können, muss man sie als Entwicklung betrachten, so wie die verschiedenen Epochen immer nur »Entwicklung« waren. So gesehen wird sich nur eines nicht ändern: die Liebe zur Sprache selbst, die Hingabe an das Medium Buch, dem so oft schon das Ende prophezeit wurde, wie keinem anderen Medium auf der Welt.

Die Medienlandschaft hat sich in der Tat verändert, Informationen verschwinden im Sand der Zeit, ein Wort, über das man lange nachdenken könnte, wird schnell vergessen. Und doch gibt es sie: die Dichter und Visionäre, wie man sie zu allen Zeiten finden konnte, immer in ihrer Zeit beständig – und deren Leser, auf der Suche nach ihren Dichtern, die ihnen Wege der Wahrnehmung weisen, ihnen neue Ausdrucksmöglichkeiten bringen.

Die Initiatoren der Edition Neue Moderne fassten den Entschluss, im deutschsprachigen Raum eine Nische einzurichten, in der die Welt wieder zu atmen lernt und neue Literatur – ganz abseits von Markt- und Geschäftsüberlegungen – noch immer (und wieder) als Buch zum Leser findet.

Dass uns dies möglich ist, verdanken wir neuen politischen Entwicklungen und Technologien. Dank breitbandiger Internetverbindungen bspw. können wir auf teure Geschäftsräume verzichten. Die Büros sind immer dort, wo ein Autor oder Mitarbeiter seinen Laptop öffnet, wo auch immer auf der Welt das sein mag. Dank digitalem Druck schließlich ist heute auch die Realisierung hochqualitativer Kleinauflagen nur noch eine Frage überschaubarer Investition. So wird die Edition sich den Luxus erlauben, einzig und allein auf das literarische Format eines Textes zu schauen, wenn entschieden wird, ob er als Buch in der Edition präsentiert wird oder nicht.